Märkte reagieren verhalten auf Scheitern der Jamaika-Verhandlungen

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Auch der Dax erholte sich am Vormittag ein Stück weit von frühen Verlusten. In ersten Reaktionen erkannten Bankvolkswirte durch das Aus der Sondierungen keine ernste Gefahr für den Aufschwung. Zeitweise fiel der Kurs bis auf 1,1722 US-Dollar. "Wir erwarten nicht, dass es zu einer veritablen politischen Krise beziehungsweise zu einem nachhaltigen Kurswechsel in der deutschen Politik kommt", sagte Volkswirt Jan Bottermann von der Essener National-Bank. "Die Chancen stehen gut, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ein besseres Ergebnis erzielt, da die deutsche Wirtschaft seit der Wahl im September so stark boomt wie seit Jahren nicht mehr". Eine ähnliche Reaktion zeigte sich auch beim Handel mit Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank im Gegenzug moderat auf 0,35 Prozent.

Bei RWE löste das Aus für die Jamaika-Verhandlungen eine Erleichterungsrally aus.

Die Verwirrung nach den gescheiterten Gesprächen über ein Jamaika-Bündnis ist auch in der Wirtschaft groß. Die eine Hälfte des Kursgewinns gehe auf nachlassende Spekulationen auf einen baldigen Ausstieg aus der Kohle-Verstromung zurück, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Gleichzeitig werde der Ausbau der Erneuerbaren Energien langsamer vorankommen. Zu den grösseren Gewinnern am Markt zählten Aktien der grossen deutschen Stromversorger: Papiere von RWE legten um 3,78 Prozent auf 20,18 Euro zu und die von Eon um 0,34 Prozent auf 9,81 Euro. Deren Papiere gewannen 1,5 Prozent. Der Windkraftanlagen-Bauer Nordex rutschte dagegen um 2,8 Prozent ab. Allerdings hätten die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass Europa um eine Illusion ärmer ist: "Deutschland ist nicht länger das Vorbild politischer Stabilität". Der Solarindustrie-Zulieferer SMA Solar büßte 3,4 Prozent ein.

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