Siemens-Schließungen in Leipzig und Görlitz: Tillich will um Standorte kämpfen

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) appellierte angesichts der drohenden Einschnitte an den Konzern, für Standorte in Ostdeutschland eine Perspektive zu schaffen.

Der Entschluss des Unternehmens kommt nicht überraschend: Siemens hatte bereits in den vergangenen Wochen angekündigt, dass es in den Sparten Kraftwerkstechnik und Antriebe "schmerzhafte Einschnitte" geben werde. Siemens beschäftigt in Mülheim derzeit rund 4700 Mitarbeiter. Weltweit will das Unternehmen in der Sparte Power & Gas in den nächsten Jahren 6900 Stellen streichen - die Hälfte davon in Deutschland. An den Standorten Berlin und Mülheim an der Ruhr sollen mehrere hundert Stellen gestrichen werden. Die Turbinen-Werke in Görlitz und Leipzig sollen zugesperrt werden. Für den Standort Erfurt in Thüringen wird unter anderem ein Verkauf geprüft. Weltweit sollen in den kommenden Jahren 6900 Arbeitsplätze wegfallen. Außerhalb Deutschlands sind in Europa von den Umstrukturierungen gut 1100 Stellen betroffen, außerhalb von Europa sind es weitere 2500 Jobs, davon allein 1800 in den USA. Er kritisierte die Entscheidung: "Das ist eine Bankrotterklärung eines Technologie-Konzerns in und für Deutschland". Dafür habe er "überhaupt kein Verständnis". Milliardengewinne und der Rausschmiss tausender Mitarbeiter sei "leider kein Widerspruch".

Die Berliner Belegschaft von Siemens ist schockiert über den geplanten Stellenabbau.

MünchenWochenlang haben die Arbeitnehmer in den Siemens-Gasturbinenwerken in Leipzig, Görlitz und Offenbach gezittert. So soll es am Donnerstag vor einer Betriebsräte-Tagung in Berlin-Neukölln eine Kundgebung mit Autokorso geben. "Die seit zehn Jahren geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung, die Kündigungen und Standortschließungen ausschließt, wird von Siemens mit Füßen getreten", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel.

Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn forderte von der Konzernleitung ein Umdenken und Kompromissbereitschaft.

Schon vor Bekanntgabe der Kürzungspläne hatte die Siemens-Führung auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. "Wir erwarten, dass dieses Abkommen auch in schwierigen Zeiten eingehalten wird". Dennoch müsse ein solcher Wandel "verantwortungsvoll geschehen", erklärte Zypries. Siemens müsse sich in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen um "faire Regelungen" bemühen.

Die Beschäftigten des Siemens-Dynamowerks in Berlin wollen am Freitag für den Erhalt ihres Standorts und ihrer Arbeitsplätze protestieren. "Das wird uns aber nur gelingen, wenn wir Antworten auf die weltweiten Überkapazitäten und den dadurch ausgelösten Preisdruck finden", sagte Siemens-Personalchefin Janina Kugel, die den Sparplan gestern im Wirtschaftsausschuss vorstellte. In der Kraftwerkssparte brach der Umsatz im vierten Quartal um 20 Prozent und der Gewinn sogar um 40 Prozent ein.

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