Elektroautos: VW will 10 Milliarden Euro in China investieren

Einstellen Kommentar Drucken

Bis vor Kurzem fristete auch in China der Markt für Elektroautos eher ein Nischendasein. Bis 2020 wolle VW auf seinem wichtigsten Markt rund 400.000 E-Fahrzeuge jährlich verkaufen. Am Freitag entscheidet der Aufsichtsrat über künftige Investitionen - und damit auch über die Zukunft des Auto-Giganten. Der Markt für Elektroautos entwickele sich in der Volksrepublik "schneller als in anderen Teilen der Welt", begründete Heizmann die Investitionen des Konzerns. Dabei dürfte es sich um hohe zweistellige Milliardenbeträge handeln. Klar ist, für den von der Diesel-Krise getroffenen Volkswagen-Konzern wird die Umstellung eine Herausforderung.

Allein die Beilegung des Skandals in den USA kostete bereits mehr als 25 Milliarden Euro. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Zwickau ins Spiel gebracht - er will erreichen, dass alle Modelle zunächst in nur einem Werk produziert werden. Vor allem mit Blick auf den Wandel zur E-Mobilität sagte er: "Es waren noch nie solche Investitionen notwendig wie für diese Transformation". Davon sollen allein in den nächsten zwei bis drei Jahren 15 Modelle auf den Markt kommen, weitere 25 seien bis zum Jahr 2025 geplant. Bis 2025 soll der Absatz auf 1,5 Millionen steigen. Aber: "Für E-Mobilität Geld einzusetzen, ist eine Wette auf die Zukunft", warnte Bratzel.

Als "richtige Lösung" bezeichnete Heizmann den im September von der chinesischen Regierung verkündeten Kompromiss bei der geplanten Produktionsquote für Elektroautos. Diese sieht vor, dass 2019 zehn Prozent des Jahresabsatzes der Hersteller aus E- und Hybrid-Fahrzeugen bestehen. Das Land in Fernost ist der größte und am schnellsten wachsende Automarkt der Welt: Im vergangenen Jahr haben die Chinesen 24 Millionen Autos gekauft, 17 Prozent mehr als im Jahr davor. In vielen luftverschmutzten Millionenstädten des Landes herrschen bereits strenge Zulassungsbeschränkungen für Verbrennungsmotoren.

Nach einem zweistelligen Wachstum im Vorjahr lief das China-Geschäft für VW in diesem Jahr bislang durchwachsen. Den eigenen, großen Markt nutzt Peking dabei ohne Skrupel, um die Entwicklung im eigenen Sinn zu lenken. Die zehn Milliarden aus China sind da noch nicht eingepreist, da VW in der Volksrepublik mit chinesischen Partnern kooperieren muss. Mit maßgeschneiderten Regeln sorgt Peking dafür, dass die Japaner, Koreaner, Amerikaner und Deutschen vor Ort herstellen, wenn sie am chinesischen Wachstumsmarkt teilhaben wollen. Sie hält an ihrem Ziel fest, dass bis 2020 mindestens fünf Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen fahren sollen. Ausschließen wolle man das nicht, aber "niemals werde das zulasten deutscher Produktionsstandorte" geschehen, erklärte ein Volkswagen-Sprecher.

Ursprünglich hatte die Quotenregelung schon 2018 in Kraft treten sollen.

Comments