Entführung eines UN-Mitarbeiters: Syrer bekommt dreieinhalb Jahre Haft

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Der Kanadier hatte als Rechtsberater für die Vereinten Nationen gearbeitet und wurde im Rahmen einer UN-Mission im Februar 2013 entführt und acht Monate lang festgehalten. Das Oberlandesgericht in Stuttgart sprach den 26-Jährigen Syrer Suliman al-S. wegen der Beihilfe zu erpresserischem Menschenraub, schwerer Freiheitsberaubung sowie zu Kriegsverbrechen gegen humanitäre Operationen schuldig.

Die Bundesanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert. Die Verteidigerin hatte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plädiert, will das nun ergangene Urteil aber nicht anfechten. Der heute 26-Jährige hatte im Laufe des elf Monate dauernden Verfahrens eingeräumt, im Jahr 2013 immer wieder mal in einer Villa nahe Damaskus gewesen zu sein, in der ein Mann gefangen gehalten wurde. Dass der Gefangene ein UN-Mitarbeiter war, mehrere Millionen Dollar Lösegeld erzielt werden sollten oder dass er zum Übertritt zum Islam gebracht werden sollte, sei ihm nicht klar gewesen. Zumal die Terrorgruppe keinen Hehl daraus gemacht habe, wie der vorsitzende Richter Herbert Anderer sagte. Zudem habe der Prozess keinen sicheren Nachweis erbracht, dass die Entführung - wie in der Anklage angenommen - der als terroristische Vereinigung eingestuften Dschabhat al-Nusra zuzurechnen sei oder dass der Angeklagte dieser angehört habe.

Zu Gunsten von al-S. wertete das Gericht vor allem sein Geständnis. Auf der anderen Seite berücksichtige es beim Strafmaß auch die Dauer und die Umstände der Gefangenschaft des UN-Mitarbeiters.

Das Gericht hingegen ist überzeugt, dass der Mann die Entführung befürwortete und sich als Wache zur Verfügung stellte. Laut Bundesanwaltschaft war es der erste Prozess gegen einen Flüchtling wegen Kriegsverbrechen. Der Mann kam 2014 als Flüchtling nach Deutschland, er lebte bei seiner Verhaftung in einer Unterkunft nahe Stuttgart.

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