Großfahndung nach Anschlag auf Londoner U-Bahn

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Bei einem mutmaßlichen Terror-Anschlag in einer Londoner U-Bahn-Station sind am Freitagvormittag zahlreiche Menschen verletzt worden. Sie erlitten überwiegend Verbrennungen und wurden ins Krankenhaus gebracht. Der IS reklamiert die Tat für sich.

Auf dem Bild soll die Tasche zu erkennen sein, die explodiert sein und mehrere Menschen verletzt haben soll. Bestätigt sich der Verdacht der Sicherheitskräfte, wäre es der fünfte Anschlag in Großbritannien innerhalb von sechs Monaten. Ein Mensch stirbt, weitere werden verletzt. Der IS gibt an, hinter dem Anschlag zu stehen. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer "Feuerwand" beziehungsweise einem "Feuerball" in der Bahn.

Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden.

Die konservative Regierungschefin May erklärte: "Meine Gedanken sind bei denen, die in Parsons Green verletzt wurden und den Einsatzkräften, die - wieder einmal - rasch und mutig auf einen mutmaßlichen Terroranschlag reagieren". "Die Polizei tut alles, um die Täter zu identifizieren", sagte May am Freitagnachmittag der BBC. Hunderte Beamte werteten derweil Videomaterial und andere Beweismittel aus, wie der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, bekannt gab. Acht von ihnen konnten bis zum Abend wieder entlassen werden. Keins der Opfer war nach Angaben des Rettungsdienstes schwer oder lebensgefährlich verletzt. Eine Reporterin der Zeitung "Metro" sagte, ein weißer Behälter sei in dem Waggon explodiert.

Premierministerin Theresa May berief den nationalen Krisenstab ein. Außerdem entdeckte er eine Discounter-Tüte, in die ein kleiner weißer Eimer gepackt war, aus dem nun "rote Drähte" herausragten. Außenminister Boris Johnson rief auf, Ruhe zu bewahren. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz ferngezündet. Auf der Website der Londoner Polizei hieß es, ein 18-Jähriger sei in der Hafengegend in Dover südlich von London festgenommen worden.

"Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören."

In der U-Bahn und um die Station herum waren bewaffnete Polizisten mit Spürhunden im Einsatz.

Die U-Bahn-Haltestelle wurde weiträumig abgesperrt. Die Menschen wurden aufgerufen, die Umgebung zu meiden. Der Zugverkehr wurde teilweise unterbrochen und umgeleitet. "Die Fahndung läuft", sagte Bürgermeister Khan dem Radiosender LBC.

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen. Die Menschen seien in Panik aus der U-Bahn-Station geflohen. "Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen", sagte ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: "Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren".

Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte sein Mitgefühl aus. "Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet", erklärte Tajani auf Twitter.

US-Präsident Donald Trump rief zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Das Internet sei das wichtigste Rekrutierungswerkzeug der Terroristen, das "abgeschnitten" werden müsse. Auch die Londoner Feuerwehr war an dem Einsatz beteiligt. Die Polizei stufte den Vorfall als Terroranschlag ein. Premierministerin May sagte dazu, es sei für niemanden hilfreich, über laufende Ermittlungen zu spekulieren. "Müssen proaktiv sein!", schrieb Trump. Fünf Menschen starben. Im Mai kamen dann bei einem Selbstmordanschlag 22 Konzertbesucher ums Leben. Acht Personen wurden kurz darauf bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London Bridge getötet.

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