Russland: Grosses Militär-Manöver an der Grenze zu Osteuropa

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Die Übung Sapad findet nicht zum ersten Mal statt.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das Manöver "Sapad" sei "streng defensiver Natur und nicht gegen irgendeinen Staat oder eine Ländergruppe gerichtet". Für die einwöchige Übung entlang der weißrussischen Grenzen zu Polen und Litauen sollen nach offiziellen Angaben Moskaus insgesamt 12.700 russische und weißrussische Soldaten mobilisiert werden. Die Fantasiefeinde Wejschnoria, Wesbaria und Lubenia greifen an, zu Luft, zu Land, zu Wasser. Doch die Balten und Polen befürchten, man könne hier ebenso gut die Namen ihrer Länder einsetzen. Der Übung Sapad 2013 folgte nur wenige Monate später der Anschluss der Krim, an dem, wie Präsident Wladimir Putin später zugab, auch russische Einheiten beteiligt waren. Sie schließen selbst das verheerende Szenario nicht aus, dass Russland die Übung als Vorwand nutzen könnte, um die Ukraine anzugreifen.

Das Misstrauen auf NATO-Seite fängt schon bei der genannten Truppenstärke an.

An dem Großmanöver "Sapad 2017" (Westen 2017) nehmen nach russischen Angaben 12.700 Soldaten, 70 Flugzeuge, 250 Panzer und zehn Kriegsschiffe teil - damit läge die Zahl knapp unter der Schwelle von 13.000 Soldaten, ab der nach internationalen Vereinbarungen ein umfassender Zugang von Beobachtern gewährt werden muss. "Russland zielt mit dieser Militärübung einerseits darauf, die Lage an der Grenze zu den NATO-Staaten zu destabilisieren", sagte der außenpolitische Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Kostjantin Jelisejew. Nato-Experten schätzen, dass über 100'000 Soldaten und Zivilisten an dem Manöver beteiligt sind.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verfolgt das gemeinsame Manöver von Russland und Weißrussland mit Skepsis. "Über diese Übung ist vorher viel gesprochen worden, auch mit Russland im Nato-Russland-Rat", sagte sie.

In den östlichen NATO-Ländern geht die Angst um. Das Szenario der am heutigen Donnerstag startenden Militärübung sieht einen Gegenschlag der Truppen beider Staaten gegen Separatisten vor, die einen Teil Weißrusslands besetzt haben.

"Das russische Großmanöver gibt Anlass zur Sorge", teilte der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, mit. Es sorgt für erhebliche Nervosität bei den baltischen Staaten und beim westlichen Verteidigungsbündnis. Dennoch halte er die Beunruhigung die Balten für "natürlich", dass Russland "Ähnliches" tun könne wie in Georgien, auf der Krim und in der Ostukraine. Das russische Verteidigungsministerium betonte, dass das Manöver keinerlei Bedrohung für Europa darstelle.

Doch genau das - darin sind sich praktisch alle westlichen Verteidigungspolitiker einig - will Russland eben nicht. "Wir selbst sind jetzt besser vorbereitet, da wir mehr Abschreckungs- und Verteidigungsinstrumente auf unserem Gebiet haben und unsere Partner, unsere Freunde aus der NATO helfen uns auch", sagte die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite.

Zudem haben die USA Ende August sieben Kampfflugzeuge in Litauen stationiert, US-Militärfahrzeuge wurden nach Polen verlegt. Das Russland keine offiziellen Beobachter eingeladen habe, zeige, dass das Land kein echtes Interesse an einer Verbesserung der Beziehungen zum Westen sowie am Abbau von Spannungen habe. Sie weisen darin auf die Achillesferse für die Verteidigung des Baltikums hin, auf die sogenannte "Lücke von Suwalki". Die NATO hatte heuer die Verstärkung ihrer Truppen im Osten abgeschlossen und dafür in Polen, Estland, Lettland und Litauen multinationale Kampfverbände mit jeweils tausend Soldaten stationiert.

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