Hohe Mieten bringen Menschen in Deutschland an Armutsgrenze

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Dabei gelte eine solche Mietbelastung unter Experten bereits als problematisch, so die Wissenschaftler. Gut eine Million Haushalte gibt sogar mehr als die Hälfte des Einkommens für die Miete aus.

Über Jahrzehnte in Deutschland gepflegte sozialpolitische Ansätze, beim Wohnen "Einkommensunterschiede zu mildern und einen Beitrag zur sozialen Kohäsion zu leisten, haben sich weitgehend aufgelöst", schreiben Lebuhn und seine Forscherkollegen. So liegt der Medianwert bei den Haushalten, die weniger als 60% des mittleren Einkommens haben, laut Studie bei 7,20 Euro/qm.

Gut eine Million Haushalte (mit rund 1,6 Millionen Menschen) in den 77 deutschen Großstädten müssen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Das sind einige Ergebnisse einer von der Böckler-Stiftung geförderten Studie der Berliner Humboldt-Universität.

In 1,3 Millionen Haushalten blieben nach Abzug der Miete und umlagefähiger Nebenkosten Beträge, die unterhalb der Hart-IV-Sätze liegen und somit kaum zum Leben reichen. Das Fazit der Studie: "Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei". Und dies bei schlechterem Standard: Je niedriger das Haushaltsnetto, desto älter, kleiner und schlechter ausgestattet sind demnach im Schnitt die Wohnungen. Entsprechend gravierend sind die Unterschiede bei der Belastungsquote: Während die Haushalte mit höherem Einkommen im Mittel 17,2% davon für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze 39,7%.

In den 77 untersuchten Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern könne in 54 Kommunen angesichts eines Trends zu wachsenden Bevölkerungszahlen von einem "angespannten Wohnungsmarkt" ausgegangen werden, so die Forscher. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt fordert vor diesem Hintergrund eine "echte Mietpreisbremse, weniger Mieterhöhungsmöglichkeiten und einen gemeinnützigen Wohnungsmarkt". Bezahlbare Mieten seien die Voraussetzung, um überhaupt etwas für die eigene Wohnung ansparen zu können, fügte sie hinzu. Das entspricht rund 20,4 Millionen Menschen oder einem Viertel der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Ausgewertet dafür wurden Daten des Mikrozensus 2014. Einer neuen Studie zufolge trifft das in Deutschland bereits auf 40 Prozent der Menschen zu.

Die hohen Belastungen sind der Untersuchung zufolge nicht auf die teuren Großstädte beschränkt.

Zu den bundesweiten Spitzenreitern bei der Mietbelastung zählten etwa Bonn (30,3 Prozent), Neuss (30,1 Prozent) sowie Köln (29,3 Prozent) und Düsseldorf (29,2 Prozent) Unter den zehn Städten mit der höchsten Quote an Mietbelastung fänden sich jedoch neben vergleichsweise wohlhabenden Metropolen und mittelgroßen Städten aber auch eher wirtschaftlich schwache Standorte wie Bremerhaven (29 Prozent) oder Offenbach (28,7 Prozent). Allerdings sind ostdeutsche Großstädte wie Leipzig, Dresden, Erfurt oder Magdeburg relativ stark vertreten.

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