Fall Niklas: Mutter von totem 17-Jährigen sitzt in Türkei in Haft

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Nun sitzt sie selbst in der Türkei in Untersuchungshaft.

Es ist ein halbes Jahr her, seit der Freispruch für Walid S. rechtskräftig wurde: Der 21-Jährige war vor dem Bonner Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, er stand im Verdacht, den damals 17-jährigen Niklas P.am 7. Mai 2016 so gegen die Schläfe geschlagen zu haben, dass dieser später starb. Der Express hatte als erstes über den Fall berichtet.

Das bestätigte der Godesberger Pfarrer Dr. Am 15. Juli sei sie beim Transfer zum Flughafen verhaft worden. Ihr wird der Diebstahl eines Handgepäckstücks vorgeworfen. Nach der Schilderung der Beschuldigten sei es dabei zu einer Verwechslung gekommen. Sie habe aus Versehen nach dem Auschecken in der Hotellobby eine Gürteltasche an sich genommen, die von derselben Marke wie ihre eigene Tasche gewesen sei. Als sie ihren Fehler auf dem Weg zum Flughafen bemerkte, sei der Bus schon von der Polizei angehalten worden. In der Tasche sollen sich zwei Handys des eigentlichen Besitzers befunden haben. Die Haftbedingungen seien landesüblich, sagte Picken. Wolfgang Picken, der die Frau seit dem Tod ihres Sohnes als Seelsorger begleitet und sie auch jetzt von Bonn aus unterstützt.

Seit neun Wochen sitze sie nun in Untersuchungshaft. Das sei aber angesichts der Gerichtsferien in der Türkei und der zwischenzeitigen Verlegung des Gerichtsortes und damit in die Zuständigkeit einer anderen Staatsanwaltschaft nicht gelungen. In den nächsten Tagen soll der Haftantrag erneut geprüft werden.

Eine Beeinflussung des Verfahrens durch die gegenwärtigen politischen Spannungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei oder unmittelbare politische Gründe für die Festnahme sehen weder der Anwalt noch der Pfarrer. Auch die Behandlung durch das Gefängnispersonal sei nicht zu beanstanden.

Nach Recherchen unserer Redaktion ist dem Auswärtigen Amt der Fall bekannt. Laut Picken werden Denise P. und ihr Partner vor Ort vom Deutschen Konsulat und von ihrem Rechtsanwalt betreut.

Die Familie habe die Möglichkeit, einmal die Woche mit ihr zu telefonieren. "Es ist erstaunlich, mit wie viel Tapferkeit und Kraft Frau P. auch dieser Situation begegnet".

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