Bundesarbeitsgericht billigt befristete Verträge für TV-Serien

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Am Mittwoch sollen Deutschlands höchste Arbeitsrichter in Erfurt entscheiden, ob die Klagen der Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss und Markus Böttcher gegen den Verlust ihrer Rollen als altgediente TV-Ermittler in der erfolgreichen ZDF-Serie "Der Alte" doch noch Erfolg haben. Das Gericht musste daher zwischen der Kunstfreiheit und dem Bestandsschutz für die Darsteller abwägen. Das Landesarbeitsgericht in München hatte sie zuvor abgewiesen, den Gang zum Bundesarbeitsgericht aber zugelassen.

Nun müssen die Richter unter anderem entscheiden, ob die Schauspieler tatsächlich befristete Verträge hatten oder ob eine Art Dauerbeschäftigung bestand, daraus könnten sich dann auch besondere Ansprüche ableiten lassen. Die beiden Schauspieler waren bei der Verhandlung in Erfurt anwesend. Sanoussi-Bliss und Böttcher hatten ursprünglich gegen die zuständige Produktionsfirma geklagt, die sie nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit kurzfristig vor die Tür setzte.

Beide Schauspieler hatten in all den Jahren immer wieder Kurzzeitverträge für einzelne Folgen abgeschlossen.

Gegen den Rauswurf der im Auftrag des ZDF tätigen Produktionsfirma "Neue Münchner Fersehproduktion" klagten beide Schauspieler. Sounissi-Bliss' Anwalt, Andreas Holtfrete, hatte sich von dem Bundesgericht ein "deutliches Wort" gegen eine derartige Form von kurzfristigen Arbeitsverhältnissen erhofft. Erstens handele es sich bei ihren Verträgen nicht um Kettenbefristungen, da zwischen den Drehs immer wieder wochenlange Pausen lagen - und zweitens greife bei beiden als "programmgestaltenden Mitarbeitern" der Artikel 5 des Grundgesetzes zur Freiheit von Rundfunk und Kunst.

Schlechte Nachricht für Pierre Sanoussi-Bliss und Markus Böttcher: Auch Protagonisten in Fernsehserien sind austauschbar. 2015 waren sie in den Rollen zum letzten Mal zu sehen - andere Schauspieler stiegen in die Serie ein.

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