Kaugummi-Schnelltest für Entzündungen im Mund entwickelt

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Die Idee ist so einfach wie hilfreich: Durch das Kauen bemerkt der Patient selbst, wenn es ein Problem gibt. Eine Entzündung könne dann schon viel Gewebe und Knochen zerstört haben, bevor sie entdeckt werde.

Bahnt sich eine derartige Entzündung an, werden im Kaugummi, der an der Abteilung für Pharmazeutische Technologie entwickelt wurde, Bitterstoffe freigesetzt. Weil durch die Implantate die Nerven zerstört sind, spüre der Patient die von den Mikroben ausgelösten Entzündungen und die damit normalerweise einhergehenden Schmerzen nicht mehr.

Er erklärt auch den wissenschaftlichen Hintergrund der Entwicklung seines Teams: Bei Entzündungen im Mund werden bestimmte Enzyme aktiviert, die Proteine abbauen. Diese zersetzen den Stoff innerhalb von fünf Minuten - und dabei wird eine bittere Substanz frei, die vorher nicht zu schmecken war. Erste Studien mit dem Speichel von Patienten wurden an der Zahnklinik Merli in Rimini durchgeführt.

Bis der Kaugummi Patienten wirklich helfen kann, wird es trotzdem noch dauern. Das Kaugummikauen soll eine zahnärztliche Untersuchung nicht ersetzen, sondern ergänzen: "Jeder kann dieses Diagnostikum verwenden – überall, jederzeit und ohne technisches Equipment", sagt Meinel in einer Pressemitteilung der Universität. Dabei reagiere er besser als bislang genutzte Farbstreifen und schneller als Tests mit Stäbchen, die erst im Labor analysiert werden müssten. Bei leichten Zahnfleischentzündungen schlage der Kaugummi jedoch nicht an. "Es gibt ihn, aber er wurde noch nie am Menschen getestet", so Meinel. Diesen nehmen die Betroffenen mit der Zunge wahr und können dann zu ihrem Zahnarzt gehen, der gegebenenfalls die Diagnose bestätigt und eine Behandlung der Entzündung einleitet. Das sei nun der nächste Schritt.

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Meinel und sein Team haben das neue Diagnosemittel gemeinsam mit internationalen Kollegen entwickelt, darunter auch Wissenschaftler der Universität Zürich.

Frank Schwarz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, bezeichnet den Kaugummi als "innovatives Verfahren", das aber noch weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit benötige. Der Kaugummi reagiert auf MMP-8, eine Kollagenase, die bei Entzündungen in der Mundhöhle wie Periodontitis, Gingivitis oder Periimplantitis hochreguliert ist.

Nach solchen Markern suche die Zahnmedizin seit Jahren intensiv. "Wenn es gelänge, spezifische Marker von Entzündungsprozessen frühzeitig beim Kauen eines Kaugummis nachzuweisen, wäre dies sicherlich ein Vorteil für Patienten und Zahnärzte", so Schwarz weiter, der Professor für orale Medizin und periimplantäre Infektionen ist. Die Wissenschaftler haben ihre Erfindung am 15. August 2017 in der Fachzeitschrift "Nature Communications" vorgestellt.

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