Medizinische Sensation - HIV-infiziertes Mädchen ohne Medikamente symptomfrei

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Am Montag berichteten Wissenschaftler auf der internationalen Aids-Konferenz in Paris über ein kleines Mädchen, das mit dem HI-Virus geboren wurde und nun - fast neun Jahre nach Beendigung der HIV-Behandlung - keine Krankheitsanzeichen mehr zeigt.

Paris. Es ist eine medizinische Sensation: Ein neunjähriges Mädchen aus Südafrika, dass mit dem HI-Virus geboren wurde, ist komplett symptomfrei - obwohl es seit fast neun Jahren keine Medikamente nimmt! Dabei erhielten mehrere Hundert infizierte Babys bereits wenige Wochen nach ihrer Geburt antiretrovirale Medikamente, was damals unüblich war.

Forscher haben über ein kleines Mädchen berichtet, das mit dem HI-Virus geboren wurde, seit fast neun Jahren keine Medikamente erhält und dennoch keine Krankheitsanzeichen zeigt.

Die Ergebnisse sollten aber nicht zu zu großer Euphorie führen. In ihrem Blut sind derzeit jedoch keine lebenden Erreger festzustellen, und ihr Immunsystem ist intakt.

HI-Viren vermehren sich mittels sogenannter Wirtszellen. Die Wirtszelle produziert neue Viren. Nach 40 Wochen wurde die Therapie gestoppt - und das Virus ist nicht zurückgekehrt. So werden unterschiedliche Varianten des Virus an der Vermehrung gehindert.

Weltweit wurde ein derartiger Erfolg bislang nur bei zwei weiteren Kindern und drei Erwachsenen festgestellt. Eine 20-Jährige sei demnach seit 14 Jahren symptomfrei. Doch bei zwei Patienten aus Boston wurden später wieder Erreger festgestellt, während ein in Berlin behandelter HIV-Infizierter noch immer virenfrei ist. Er hoffe aber auf eine dauerhafte "funktionelle" HIV-Heilung des Mädchens. Vermutlich verfüge ihre Patientin über andere physiologische Eigenschaften, die ihren Kampf gegen die Erreger begünstigten, sagte Kinderärztin Violari: Welche das sind, ist bislang nicht bekannt.

Die Entdeckung ist insofern von Bedeutung, als Forscher derzeit versuchen, die Dauer der Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten möglichst kurz zu halten. Auch setzen Patienten die Medikamente immer wieder aus eigenem Antrieb ab, was wiederum die Resistenzbildung der HI-Viren begünstigt.

Da macht auch eine aktuelle Studie eines internationalen Forscherteams Hoffnung, die ebenfalls in Paris vorgestellt wurde und die im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht ist. Unabhängige Experten sprechen von einem Meilenstein in der HIV-Therapie.

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