"Unwürdig": Sohn Walter kommt nicht zu Kohls Beerdigung!

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Hannelore Kohl dürfe "nicht einfach weggekürzt werden". 11 Prozent sehen dies anders. Zur Würdigung seiner politischen Verdienste ist für den 1. Juli ein europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant - unter anderem mit Reden von Kanzlerin Angela Merkel, EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Herausgabe der privaten Unterlagen stelle er der Witwe in dem Schreiben vom 21. Juni anheim, er fordere aber in klaren Worten die Weiterleitung des "staatlichen Schriftguts" aus der Zeit von Kohls Wirken, berichtet die Zeitung. In der YouGov-Umfrage erklärten 57 Prozent der Befragten, ein solcher Trauerakt sei völlig oder eher angemessen.

Helmut Kohl war am vergangenen Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Heimatort Ludwigshafen gestorben. Diese drei Elemente sollten nach der Auffassung von Walter Kohl bestehen aus "einem Staatsakt, bei dem sich Deutschland verabschiedet, einem ökumenischen Requiem, das die Konfessionen vereint und schließlich militärischen Ehren, dem Großen Zapfenstreich". Gegen einen deutschen Staatsakt habe laut einem Kohl-Vertrauten, den die "Bild" zitiert, "auch eine Rolle gespielt, wie die Nachfolge-Regierung mit ihm als Demokraten umgegangen ist". Im Anschluss wird auch in Deutschland ein staatliches Trauerzeremoniell stattfinden, teilte das Bundesinnenministerium mit. Parlamentspräsident Ralf Wieland sagte ferner: "Wir werden nie vergessen, dass Helmut Kohl als Bundeskanzler dafür sorgte, dass die Stadt Berlin in Freiheit ihre geeinte Zukunft gestalten konnte".

Einer der zuletzt seltenen öffentlichen Auftritte: Helmut Kohl und seine Frau Maike Kohl-Richter beim Finale der Frauenfußball-WM in Frankfurt am Main. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bedauerte, dass es keinen deutschen Staatsakt geben wird. Als er von ihm Abschied nehmen wollte, blieb ihm die Haustür verschlossen. Der Bundestag sei dafür der bestmögliche Ort. Dass Kohl eine "personifizierte vertrauensbildende Maßnahme der Weltpolitik" gewesen sei, habe dabei geholfen. "Legendär sind seine integrative Kraft wie seine polarisierende Wirkung". In politischen wie privaten Dingen sei Kohls Gedächtnis phänomenal gewesen.

Die Übergabe sämtlicher Archivalien an eine bundeseigene Stiftung, wie es sie auch für Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt gibt, wäre eine für alle Beteiligten praktikable Lösung.

Ein nationaler Staatsakt für Kohl wird nicht veranstaltet. Dabei geht es einmal um das auf mehrere Millionen Euro geschätzte Vermögen des ehemaligen Kanzlers und CDU-Vorsitzenden, das sich vor allem aus den Erlösen seiner Buchveröffentlichungen speiste.

Mittlerweile lässt die Witwe durch ihren Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner den Gedanken an ein Ausbooten Merkels dementieren. Näheres dazu werde aber vor der Beerdigung des Altkanzlers nicht mitgeteilt. Doch im Jahre 2010 verlangte er - in Wirklichkeit wohl seine Frau - einen Großteil seiner Handakten zurück, die er 1998 dem Archiv der CDU-nahen Stiftung überlassen hatte. "Vor der Beisetzung werde ich die Frage, wie die Stiftung gestaltet wird, nicht diskutieren".

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