Unions-Politiker empört über Schulz-Rede

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"Er scheint zu einem relativ frühen Zeitpunkt des Wahlkampfes die Nerven verloren zu haben", sagte Seehofer. Die eigenen Leute hat der SPD-Kanzlerkandidat auf den Bundestagswahlkampf eingestimmt.

Seehofer bezeichnete die Äußerungen vor einer CSU-Vorstandssitzung in München als "unwürdig".

Schulz hatte Merkel und der Union beim SPD-Parteitag in Dortmund vorgeworfen, sich vor inhaltlichen Aussagen zu drücken und damit eine geringere Wahlbeteiligung in Kauf zu nehmen. "Ich nenne das einen Anschlag auf die Demokratie", sagte Schulz am Sonntag in einer Rede auf dem Dortmunder Parteitag.

Die Empörung ist in den Unions-Parteien einhellig.

CDU-Vize Armin Laschet sprach von einem "Ausrutscher" des Kandidaten, der auch an der Wahrnehmung der Menschen vorbeigehe. Dies zeige eher Verzweiflung bei Schulz, jetzt solche "absurden Argumente" zu suchen, sagte Laschet.

Laschet kündigte an, die Union werde "vor der Sommerpause ein konkretes Programm vorlegen". Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und im Saarland sei die Wahlbeteiligung wieder angestiegen.

"So groß darf die Verzweiflung niemals sein, dass wir Demokraten uns gegenseitig Anschläge auf die Demokratie vorwerfen", entrüstete sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber via Twitter. Die SPD müsse sich überlegen, mit wem sie eigentlich noch koalieren wolle. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte den "Passauer Neuen Presse", die persönlichen Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel zeigten die "riesige Ratlosigkeit der SPD".

Distanziert äußerte sich Seehofer zu den Festlegungen von SPD, Grünen und FDP, nur einen Koalitionsvertrag mit der Entscheidung für eine Ehe für alle schließen zu wollen. Beim Parteitag selbst kommt Schulz dann noch dem SPD-Nachwuchs entgegen und verspricht Nachbesserungen beim Bafög. Linken-Fraktionschefin Sarah Wagenknecht sagte der "Welt", die Sozialdemokraten beugten sich den Wünschen von Lobbyisten und Superreichen. Dazu passe, dass die SPD nicht mal mehr wage, "eine Besteuerung der Vermögen von Multimillionären und Milliardären zu fordern".

SPD-Fraktionschef Oppermann hat die Angriffe von SPD-Kanzlerkandidat Schulz auf Bundeskanzlerin Merkel (CDU) beim Parteitag verteidigt.

Ausserhalb der SPD, die Schulz im März mit 100 Prozent an ihre Spitze wählte und heute auch das Wahlprogramm einstimmig beschliesst, hält sich die Begeisterung für den Kanzlerkandidaten allerdings in Grenzen. Bereits am Vortag wurden letzte Konfliktthemen wie die Wiedereinführung der Vermögensteuer und die Höhe des Rentenniveaus abgeräumt - in beiden Fällen will der Parteivorstand eine Prüfkommission einsetzen.

Nach Martin Schulz' harschen Worten gegen den Koalitionspartner lassen empörte Reaktionen nicht lange auf sich warten. "Damit er nicht als Bettvorleger in einer großen Koalition landet, braucht es eine starke Linke".

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