Oppermann verteidigt Schulz-Attacken auf Merkel beim Parteitag

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Dass Schulz jedoch bei der Motivation seiner Genossen auf Schützenhilfe von Altkanzler Gerhard Schröder angewiesen ist, der einst nicht Schulz, sondern Gabriel im Rennen gegen Merkel wollte und dessen Agenda-Politik Schulz gleich nach seiner Nominierung attackierte, ist eine Ironie der Geschichte. "Nichts ist entschieden!", ruft der auch äußerlich durchaus gealterte Schröder den 635 Delegierten und 5000 Gästen in der Westfalenhalle entgegen. Der Kanzlerkandidat macht schnell klar, dass er deshalb jetzt auf harte Konfrontation setzt: Die Union wolle sich in schwierigen Zeiten ohne Kompass "durchwursteln", erklärt Schulz, sie gefährde damit die Zukunft des Landes. Der 73-Jährige mahnte, auf dem Weg in dieses Amt dürfe es keine Selbstzweifel geben.

Erstens ist Anfangsinteresse am Kanzlerkandidaten Martin Schulz - sowohl seitens der Medien als auch der Menschen - schon nach der verlorenen Saarlandwahl drastisch eingebrochen. Er eilt von Redeauftritt zu Redeauftritt, er hat ein Buch ("Was mir wichtig ist") herausgegeben, auf einer Theaterbühne Einblicke in sein Familienleben gegeben, Fehler eingeräumt und ein Bundestagswahlprogramm vorgelegt, das in Kernbotschaften von Steuerentlastungen und Rentenstabilisierung seine Handschrift trägt. Mit dem Parteitag ist nun auch das Wahlprogramm einstimmig beschlossen worden. Schulz wurde zum Gottkanzler ausgerufen, dann verglühte er. Seine ungewöhnlichen Formulierungen auf dem Parteitag hallen nach. 14, je nach Umfrage auch mehr Punkte trennen die SPD von der CDU/CSU.

Was Schröder davon hält? Konflikte sind vorher abgeräumt worden, vor allem die heikle Kontroverse um die Einführung einer Vermögensteuer wurde entschärft: Eine Kommission soll jetzt nach einem gemeinsamen Weg suchen. Da müssten die anderen Parteien den Grünen programmatisch schon sehr weit nachgeben. Schulz wiederholte seine zentralen Positionen, etwa in der Steuer-, Renten- und Innenpolitik. Dabei geht er deutlich weiter als bisher.

Dass die Union ohne ein Rentenkonzept in die Bundestagswahl geht, dafür hat Schulz kein Verständnis. "Dann nennt man das in Berliner Kreisen vielleicht asymmetrische Demobilisierung". Sich nicht provozieren zu lassen, ist kein "Anschlag auf die Demokratie", wie Schulz in Dortmund sagt. Der Saal tobt, auf solche Brecher haben die Delegierten gehofft - auch schon in den Wochen zuvor.

Überraschend war die Schärfe, mit der Schulz auf den Noch-Koalitionspartner Union losging. Die bisherigen Koalitionspartner CDU und CSU "wurstelten" sich durch.

SPD-Vize Manuela Schwesig gibt überraschend gekonnt zuerst die Einpeitscherin. CDU und CSU seien in den Kernfragen "eng beieinander".

Die stärksten Momente hat der Kanzlerkandidat jedoch bei den Themen Abrüstung, Rechtspopulismus und Europa. Harte Kritik übte Schulz auch an US-Präsident Donald Trump, den er einen "irrlichternden Präsidenten" nannte. Deutschland stehe mit der Wahl am 24. September vor einer Richtungsentscheidung.

Berlin - "Ich finde, wenn man einfach gar kein Konzept vorlegt, ist das mit der Demokratie nicht vereinbar", sagte Oppermann am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Noch 90 Tage bleiben den Genossen, um einen satten Rückstand gegen die Union von Kanzlerin Merkel aufzuholen.

Gerhard Schröder hat bewiesen, dass es sich lohnt, bis zur letzten Minute zu kämpfen. Schröder spielt auf das alte Kampflied der chilenischen Sozialisten an: "Auf in den Kampf!"

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