Schlechte Prognose für May: Konservative verlieren Absolute

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Mit der vorgezogenen Wahl will sich Premierministerin Theresa May Rückendeckung für die geplanten Brexit-Verhandlungen sichern. Rein rechnerisch braucht eine Regierung mindestens 326 der 650 Sitze im Parlament.

Umfragen zufolge könnte May ihr Ziel einer komfortablen Mehrheit im Parlament verfehlen. Ein belastbarer Trend sollte im Laufe der Nacht feststehen - nach Auszählung der meisten der 650 Wahlbezirke.

Elmar Brok, Brexit-Beauftragter der EVP im Europaparlament, sagte unmittelbar nach der ersten Prognose im ZDF, er erwarte bei einem solchen Ausgang erschwerte Brexit-Gespräche. Damit steht Großbritannien kurz vor Beginn der Brexit-Verhandlungen über einen EU-Austritt vor einer komplizierten und möglicherweise langwierigen Regierungsbildung. Die EU-Befürworter schlossen aber bereits am Donnerstag eine Koalition mit Mays Partei aus. Die nordirisch-republikanische Sinn Fein hat 7 Sitze gewonnen, schickt jedoch traditionell keine Abgeordneten nach London.

Theresa May hat mit einer großen Mehrheit gerechtet. Vor seiner Auflösung am 3. Mai schickten die Konservativen die meisten gewählten Volksvertreter ins Parlament: 330 Sitze - die absolute Mehrheit - standen den Tories zu. Die Liberaldemokraten gewinnen laut der Prognose 14 Sitze. Diese hätten als einzige den Mut, der Regierung Kontra zu bieten, schrieb der irische Musiker.

Ex-Finanzminister George Osborne, der unter May 2016 seinen Posten verloren hatte, stellte als einer der ersten Mays Zukunft in Frage. Der rechtspopulistischen und europafeindlichen Ukip-Partei, die völlig zerstritten ist, droht sogar der Kollaps. Nach der jüngsten am Wahltag veröffentlichten Befragung von Ipsos Mori für die Abendzeitung "Evening Standard" hatte Mays Partei mit 44 Prozent der Stimmen dagegen acht Punkte Vorsprung vor Labour mit 36 Prozent. Während May im Wahlkampf auf Reden vor kleinen Gruppen von Anhängern in besonders umstrittenen Wahlkreisen gesetzt hatte, zog ihr 68-jähriger Herausforderer Reden auf großen Open-Air-Veranstaltungen vor. Fehler im Wahlkampf und die Sicherheitsdebatte nach den Terroranschlägen in London und Manchester hatten die Premierministerin aber in Bedrängnis gebracht.

Der Altlinke spricht junge Wähler an. So will er Studiengebühren abschaffen, die Bahn verstaatlichen und das marode Gesundheitssystem auf Vordermann bringen. Corbyn versprach hingegen 10 000 zusätzliche Polizisten.

Die für Schottlands Unabhängigkeit kämpfende Partei verlor nach Hochrechnungen viele Sitze. Die Schottische Nationalpartei (SNP) rutschte den Nachwahlbefragungen zufolge von 54 auf 34 Sitze ab. Die Scottish National Party erzielt ein deutlich schlechteres Ergebnis als bei der Wahl 2015 und könnte 35 Abgeordnete stellen. Mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen sagte ein Sprecher in Brüssel nur: "Wir sind bereit". Die Konservative betonte, Großbritannien werde die EU eher ohne Einigung verlassen, als einen "schlechten Deal" zu akzeptieren.

Postfaktische Brexit-Kampagne: Auf diesem Bus wurde eine völlig übertriebene Summe genannt, die die Briten angeblich an die EU zahlen. Die Tories müssten demnach noch 55 Sitze holen, um doch noch die absolute Mehrheit zu erreichen. May hätte kaum Spielraum für Zugeständnisse, sie müsste sich stärker nach dem richten, was die harten EU-Gegner in ihrer Partei wollen. Sie begründet dies mit dem EU-Austritt Großbritanniens, den eine Mehrheit der Schotten abgelehnt hat. Sie gab am Morgen in ihrem Wahlkreis in Maidenhead westlich von London ihre Stimme ab. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gingen erst sechs Parlamentswahlen ohne klare Mehrheitsverhältnisse aus, zuletzt 2010. Damit könnte Mays Partei ohne Partner an der Macht bleiben. Im März war ihr einziger Abgeordneter aus der Partei ausgetreten.

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