VW-Aktie: Audi-Chef Stadler "persönlich enttäuscht" von Dobrindt

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Dass die Behörden illegale Software "entdeckt" hätten, sei das falsche Wort.

Nach Angaben von Audi handelt es sich um fünf Getriebevarianten, die in insgesamt 24.000 Diesel-Autos eingesetzt wurden.

Audi-Chef Stadler dagegen betonte, dass der Hersteller "sofort und in Eigeninitiative" das Kraftfahrtbundesamt informiert habe, als jüngst bei einer Audi-internen Untersuchung bei Diesel-Fahrzeugen mit bestimmten Motor-Getriebe-Kombinationen ein höherer Stickstoffausstoß festgestellt worden sei, der auf bestimmte Funktionen der Getriebesoftware zurückgehe. "Dies und das weitere Vorgehen wollten wir gemeinsam kommunizieren", sagte Stadler. "Mit keiner Silbe hat irgendwer gesagt, dass sie Herrn Stadler ablösen wollen", sagte ein Konzernsprecher. Dann holen wir die Fahrzeuge rein. Innerhalb von drei Monaten wird das abgearbeitet sein. "Wir selbst drehen jedes Steinchen um". Die Motordrehzahl werde in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst. Den größten Teil haben wir bereits abgearbeitet. In Deutschland sind 14 000 Kunden betroffen. Denn die baden-württembergischen Autohersteller - auch Audi - hätten nach Bekanntwerden der VW-Manipulationen versichert, sie hätten so etwas nicht gemacht, sondern stets korrekt gehandelt, sagte Hermann der "Heilbronner Stimme" und dem "Mannheimer Morgen" (Samstag).

Stadler wiederum hat die öffentlichen Aussagen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu den Abgasmanipulationen von Audi-Modellen kritisiert. Mitte März hatte die Behörde wegen des Verdachts auf Betrug und strafbarer Werbung mehrere Audi-Standorte durchsuchen lassen.

ROLLE STADLERS: Der Audi-Chef steht schon seit längerem unter Druck, daran änderte auch die demonstrative Unterstützung der VW-Konzernführung und seine jüngst erfolgte Vertragsverlängerung nur wenig. "Wir haben diese Beobachtung im Rahmen laufender Gespräche sofort und in Eigeninitiative dem Kraftfahrbundesamt und dem Bundesverkehrsministerium gemeldet". Volkswagen dementierte jedoch einen Bericht des "Spiegel", wonach Stadler vor der Abberufung stehen soll. Das sagte ein Sprecher des Unternehmens in Ingolstadt. VW und Audi haben bisher den Standpunkt vertreten, die Abschaltsoftware sei in Europa nicht illegal gewesen.

Die Umrüstaktion trifft aber die Renditeperle der Oberklassetochter des VW-Konzerns.

STICKOXIDE, FAHRVERBOTE, KLIMASCHUTZ: Auch wenn der Autokäufer angesichts anhaltender Dieselturbulenzen den Selbstzünder immer mehr meidet, setzen die Autobauer auf die Dieseltechnik zur Reduktion des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes. Die betroffenen Fahrzeuge seien jeweils zur Hälfte auf dem deutschen und auf dem europäischen Markt. Die Fahrzeuge wurden mit einer Software ausgestattet, die dafür sorgte, dass die Abgasreinigung einzig im Testmodus voll aktiviert ist und die Grenzwerte einhielt; auf der Straße stießen die Autos aber viel mehr Stickoxide aus.

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