Trumps Debüt bei der NATO: Spitzentreffen in Brüssel

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Doch auch der Trump musste sich Kritik gefallen lassen - von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. "Ich bin kein Spezialist im Englischen, wie man weiß, aber: Bad heißt nicht böse, schlecht reicht".

Aus EU-Kreisen verlautete, das 45-minütige Treffen Trumps mit Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sei in einer konstruktiven und freundschaftlichen Atmosphäre abgelaufen.

Trump hatte sich am Donnerstag in Brüssel mit Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk getroffen. Er beklagte sich bei dem Treffen in Brüssel nämlich heftig über Deutschland und dessen Handelsbilanzüberschuss: "Die Deutschen sind böse, sehr böse", meinte er laut dem deutschen Magazin "Der Spiegel". Zuletzt hatte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Überschuss im SPIEGEL-Interview als zu hoch bezeichnet. "Die Nato der Zukunft muss sich stark auf Terrorismus und Einwanderung konzentrieren", sagte er, ohne den Bezug zur Einwanderung zu erklären. "Er hat gesagt, wir haben ein Problem". "America first", lautete und lautet der Slogan, mit dem Trump deutlich machen will, dass die Verringerung des US-Handelsdefizits für ihn absolute Priorität genieße.

US-Präsident Donald Trump lässt bei seiner Forderung nach höheren Militärausgaben der europäischen Nato-Mitglieder nicht locker. "Ich will nicht Teil dieser neuen politischen Kultur des ständigen Durchsickerns sein", sagte er. Für diplomatische Usancen überraschend kräftig markiert Tusk dann noch, wo sie unterschiedlicher Ansicht sind: beim Klimaschutz und beim Handel.

Das deutsche Außenminister sieht nach dem Nato-Gipfel keinen Knick in den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA, es räumt aber Unsicherheiten in der Zusammenarbeit mit Präsident Donald Trump ein. Er bezeichnete die Deutschen bei einem Treffen mit den EU-Spitzen in Brüssel als "böse, sehr böse".

Trotz seiner harschen Worte kamen die NATO-Verbündeten Trump entgegen. Trump hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder kritisch zum Freihandel geäußert, für den die EU eintritt. Dem neben Trump stehenden Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg frieren die Gesichtszüge ein. Nach EU-Angaben vereinbarten die Europäer mit Trump eine gemeinsame Arbeitsgruppe für einen Aktionsplan zum Handel. Ihnen bleibt nun vor allem ein Trost: Mit den Stimmen der USA bekräftigte die Nato trotz der Trump-Rede wenig später ihr Zwei-Prozent-Ziel. Trump hat diesen Forderungen aber eine von vorigen US-Regierungen nicht gekannte Schärfe verliehen. Bei seiner Ansprache rief er auch mit scharfen Worten zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror auf. Die USA und Großbritannien sind traditionell besonders enge Partner - das hat offenbar auch Trump erkannt. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro. Stoltenberg erläuterte das mit einer Argumentation, die zuvor schon Trumps Sprecher Sean Spicer den White-House-Reportern serviert hatte: Trump habe doch ein Mahnmal eingeweiht, das ausdrücklich dem nach den Terrorangriffen des 11. September 2001 erstmals aktivierten Artikel 5 gewidmet sei. "Ansonsten müssen wir Incirlik verlassen", sagt Merkel ungewöhnlich scharf.

Statt die Übergabe des neuen Hauptquartiers der Allianz in Brüssel gebührend zu feiern, bestimmt der von Ego-Präsident Trump angezettelte Streit um Geld die Schlagzeilen. Es gibt in Taormina kein anderes Thema, Trump, Trump, Trump.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten hatten 2014 in Wales gemeinsam festgelegt, dass jedes Mitglied seine Verteidigungsausgaben innerhalb eines Jahrzehnts auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern soll. Die geplante Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben sei ausreichend, sagte sie - auch wenn die Zwei-Prozent-Marke nicht erreicht wird.

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