Äthiopier zum neuen WHO-Generaldirektor gewählt

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Fast alle 194 Mitgliedsländer beteiligten sich an der geheimen, spannenden Abstimmung. Der Malariaexperte folgt als Generaldirektor auf die Chinesin Margaret Chan. Am Dienstag kommt es deshalb zur Kampfabstimmung.

Der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus ist zum neuen Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewählt worden.

Was macht die WHO eigentlich? Tedros ist aber auch der einzige der Kandidaten, der selbst kein Mediziner ist - in einem Interview mit der britischen BBC betonte er im Gegenzug seine Organisationserfahrung und erfolgreich auf den Weg gebrachte Reformen.

Tedros wird der Ausbau von Äthiopiens Gesundheitssystem zugeschrieben. Zur Jahrestagung, die am Montag in Genf beginnt, werden 4000 Teilnehmer erwartet. Dabei nahm das Vertrauen in die WHO schweren Schaden. Sie hat Meldesysteme, um den Ausbruch ansteckender Krankheiten früh zu erkennen. Sie hilft beim Aufbau eines Gesundheitswesens und bei Aufklärungskampagnen. Die WHO setzt zum Beispiel Standards für Trinkwasserqualität fest oder Richtlinien für die effektivste Behandlung bei HIV-Infektionen.Dank der Initiative der WHO wurden 1980 die Pocken mit massiven Impfkampagnen besiegt. "Aber damit geben wir den Menschen Hoffnung, das ist eine Investition in die Zukunft", sagte er. Mit der Anti-Tabakkonvention von 2003 haben sich 180 der 194 Länder zu Maßnahmen gegen das Rauchen verpflichtet.Heute kämpft die große Organisation aber auch mit internen Problemen.

Die Organisation rutsche unter der abtretenden Chefin Margaret Chan (69) in eine schwere Krise: Die Funktionäre hatten zu langsam und unbeholfen auf den Ausbruch der bislang schwersten Ebola-Krise 2013 / 2014 reagiert. Mehr als 11 000 Menschen kamen um. Der 67-jährige Nabarro blickt auf eine lange Karriere im öffentlichen Gesundheitssektor zurück, darunter 20 Jahre bei der WHO. Die Kinder seien dort aber an Masern gestorben, berichtete Mercedes Tanay von "Ärzte ohne Grenzen".

Wie viel Geld hat die WHO und wer finanziert sie? Das Zweijahresbudget beträgt 4,4 Milliarden US-Dollar. Rund drei Prozent sind überwiegend Sachspenden von Pharmaunternehmen. Daher ist die WHO auch mit Interessenkonflikten konfrontiert: Die WHO habe 2009 die Gefahr der Schweinegrippe übertrieben und Länder animiert, Medikamente dagegen im Millionenwert zu horten, zum Wohl der Pharmaindustrie.

Im Jahr 2015 monierte eine Studie, die die Hilfsorganisationen Misereor und Brot für die Welt in Auftrag gegeben hatten, dass bei der Gates-Stiftung viele frühere Pharmamanager arbeiteten. Die Gates-Stiftung habe mit ihren Spenden ihren Fokus auf Impfprogramme bei der WHO durchgesetzt, wovon Pharmafirmen, mit denen sie eng zusammenarbeite, profitierten.

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