Deutsche Börse stellt sich Aktionären

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Muss den Aktionären erklären, wie es für die Deutsche Börse nach der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse LS weitergehen soll: Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. Ein Aktionärsvertreter hatte wissen wollen, wie hoch die Kosten waren.

Die Deutsche Börse hatte mit dem Londoner Wettbewerber einen internationalen Branchenriesen schmieden wollen. Der Manager verteidigt die Standortpläne, denen zufolge der Sitz des Gemeinschaftskonzerns hätte in London liegen sollen. Ende März untersagten die EU-Wettbewerbshüter die Megafusion, die im Grunde schon seit dem Votum der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) im Juni 2016 tot war.

Bei einem erfolgreichen Abschluss hätte sich die Rechnung auf insgesamt 150 Millionen Euro belaufen, hatte Finanzchef Gregor Pottmeyer zu Jahresbeginn geschätzt. Neben dem Energiehandel nannte Kengeter das Geschäft mit Devisen, Unternehmensanleihen und Rohstoffen.

"Wir sind davon überzeugt, mit dieser geschärften Strategie den Wachstumspfand weiter zu gehen, auf dem wir uns bereits vor dem geplanten Zusammenschluss befunden haben", sagte Vorstandschef Carsten Kengeter am Mittwoch laut Redetext auf der Hauptversammlung. Der Börsenchef hatte im Dezember 2015 und damit gut zwei Monate vor Bekanntgabe der Fusionsabsichten Aktien der Deutschen Börse für 4,5 Millionen Euro gekauft - im Rahmen eines vom Aufsichtsrat für ihn geschnürten Bonusprogramms.

Das Prestigeprojekt einer Fusion mit der LSE, das die Deutsche Börse inklusive Rückabwicklung 76,5 Millionen Euro kostete, ist mittlerweile beerdigt. Kengeter sagte den Aktionären, er sei sicher, dass sich die Vorwürfe "nach eingehender Prüfung als unbegründet erweisen werden".

Kengeter wies die Vorwürfe zurück. "Die Verdächtigung steht im Raum, ich hätte nicht-öffentliche Informationen für Aktiengeschäfte genutzt. Das hat mich persönlich sehr getroffen", sagte der Manager vor Aktionären des Dax-Konzerns. "Denn genau das habe ich nicht getan".

Positive Nachrichten gab es mit Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen.

Im zweiten Halbjahr will die Deutsche Börse ein Programm im Volumen von rund 200 Millionen Euro auflegen.

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