Ex-Finanzchef: Schlecker-Insolvenz weil Lastschrift platzte

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Finanzvorstand Sami Sagur lieferte dem Gericht am 15. Mai jedoch alternative Schuldige: die Mitarbeiterinnen. Auch der frühere Finanzchef sagte am Montag vor dem Landgericht Stuttgart, die Situation sei nicht so ausweglos gewesen, wie sie aus heutiger Sicht erscheine. Europas einst größter Drogerie-Einzelhändler hatte aber erst im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Doch Gewerkschaften, ein Kreditversicherer, das Unternehmen Markant und eine geplatzte Lastschrift sind mit Schuld am Aus von Schlecker.

Anfang 2012 spitzte sich die Lage angesichts dreistelliger Millionenverluste zu.

In dem Prozess war bereits mehrfach beschrieben worden, dass das Geld bei Schlecker üblicherweise Anfang des Jahres knapp wurde, weil neben dem laufenden Betrieb auch die Weihnachtsware bezahlt werden musste.

Aber es bestand Hoffnung, so der Ex-Finanzchef. Er soll vor der Pleite Vermögen im Wert von über 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Schlecker schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Einen Verkaufserlös von 30 Millionen Euro für das Einkaufszentrum "Schleckerland" am Stammsitz in Ehingen ging aber zu spät auf den Konten der Unternehmensgruppe ein: Keine Bank wollte Anton Schlecker weiteren Kredit gewähren. "Mit diesem Geld hätten wir vermutlich die Rate bezahlen können, die zur Insolvenz geführt hatte". Als Personalchef war er ab dem Jahr 2011 im Rahmen der Unternehmenssanierung schon für die Schließung zahlreicher Filialen und damit auch für Abfindungen an die Mitarbeiter verantwortlich.

Das letzte Weihnachtsgeld hatte der Schlecker-Konzern zwei Monate vor der Insolvenz im Januar 2012 überwiesen.

In einer Mitarbeiterbefragung sei durchaus Bereitschaft zum Gehaltsverzicht erkennbar gewesen, die Gewerkschaften hätten sich aber gesperrt. Es sei üblich, dass Beschäftige bei Unternehmen in Schieflage ebenfalls einen Beitrag zur Lösung der Krise leisteten, bei Schlecker aber hätten sich die Arbeitnehmervertreter quergelegt.

Ende 2011 waren bereits Zahlungen verschoben worden, weil die erhofften Umsätze ausblieben. Ein wichtiger Kreditgeber und ein Kreditversicherer waren nicht mehr bereit, weitere Risiken zu tragen. Der Deal kam nicht zustande, alle Lieferungen an Schlecker wurden zunächst gestoppt.

Sagur behauptet jedenfalls, dass die Insolvenz der Drogeriemarktkette hätte verhindert werden können.

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