Offenes Rennen bei der NRW-Landtagswahl

Einstellen Kommentar Drucken

Düsseldorf. Hochspannung vor der Landtagswahl am Sonntag: Die seit 2010 in NRW regierende rot-grüne Koalition muss am Sonntag ihre Abwahl befürchten.

Da die Grünen in beiden am Donnerstag veröffentlichten Umfragen nur auf 6,5 bis 7 Prozent kommen, hätte die rot-grüne Koalition keine Aussicht auf ein Fortbestehen.

Die Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD: Wer gewinnt die Wahl in NRW? Schon die CDU-Siege bei den Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein hatten der von Schulz ausgelösten Euphorie in der SPD deutliche Dämpfer versetzt. Viele Wahlberechtigte sind aber noch unentschlossen. Laut ZDF-Politbarometer und nach Zahlen von Yougov im Auftrag von Sat.1 NRW liegen die Christdemokraten von Herausforderer Armin Laschet mit 32 Prozent knapp einen Prozentpunkt vor den Sozialdemokraten.

Ministerpräsidentin Kraft will sich von den schwachen Umfragewerten für ihre Partei nicht entmutigen lassen. Im ZDF-"Morgenmagazin" warf er ihnen am Freitag eine "Blockade-Haltung" vor. Wenn man sehe, was Umfragen sagten und was Wahlergebnisse, dann gebe es da keine Sicherheit mehr.

Ministerpräsidentin Kraft sagte dagegen am Freitagnachmittag bei der SPD-Abschlusskundgebung in Duisburg: "Es war klar, das wird knapp, aber wir kämpfen bis zur letzten Minute".

Die Koalitionsfrage ist bis zum Schluss Thema des Wahlkampfs in NRW. Das liege auch daran, "dass Johannes Rau ein sehr, sehr guter Ministerpräsident war", sagte Merkel.

Mit 19 Jahren trat Martin Schulz in die SPD ein und engagierte sich bei den Jusos.

Nordrhein-Westfalen ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesland, dort allein sind 13,1 Millionen Menschen wahlberechtigt - mehr als ein Fünftel aller Wahlberechtigten in Deutschland. Erstmals in der Geschichte Nordrhein-Westfalens könnten dem Parlament sechs Parteien angehören. Kraft möchte die rot-grüne Koalition fortsetzen, einer Regierung unter Beteiligung der Linken hat sie eine klare Absage erteilt. Ebenso wäre ein Zweierbündnis aus CDU und FDP oder aus SPD und FDP nicht machbar. Auch FDP-Chef Christian Lindner halte die Grünen für nicht gesprächsfähig, indem er eine Ampel ausgeschlossen habe. Die einzige denkbare Regierungskonstellation wäre danach eine große Koalition. Die nordrhein-westfälische SPD, die in den sechziger Jahren zur bestimmenden politischen Kraft aufgestiegen war und das Land zwischen 1980 und 1995 mit absoluten Mehrheiten regierte, war zuletzt bei der Landtagswahl 1950 auf weniger als 33 Prozent der Stimmen gekommen.

Die CDU beendet ihren Wahlkampf am Samstag in Laschets Heimatstadt Aachen. Dabei hob Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth noch einmal hervor, wie wichtig Rückenwind aus NRW für die Bundestagswahl im September sei. Beim Wahlkampfabschluss der Linken am Freitag in Düsseldorf sagte Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht zur Absage Krafts an eine Koalition mit der Linken: "Für ein "Weiter so" hätten wir sowieso nicht zur Verfügung gestanden".

Comments